Knapper als gedacht
Erster Spieltag, und gleich gegen den alten Rivalen aus Hademarschen. Ziemlich unfair, sitzen uns doch mit Dirk und Hendrik Präsident und Vizepräsident des Landesschachverbands gegenüber. Spaß beiseite: es war häufiger knapp, seit unserer Rückkehr in die Verbandsliga (ja, wir waren mal für eine Saison in der Bezirksliga) gab es aber zwei Siege für uns. Bei uns fehlten Andreas und Sven. Mit Jochen und Sascha gab es aber guten Ersatz. Zum ersten Mal saß für uns Michael am Brett – an dieser Stelle herzlich willkommen. Hademarschen musste ein Brett frei lassen, ein kurzfristiger Ausfall aus gesundheitlichen Gründen ist immer unschön. Da wir auch die höheren DWZ hatten, waren wir Favorit.
Jens spielte mit schwarz gegen Michael Strebel. Beim letzten Aufeinandertreffen der beiden hatte Michael stark aufgespielt und Jens besiegen können. Es war klar, dass Jens heute den Spieß umdrehen wollte. Bald entstand eine Stellung, die beide offenbar angestrebt hatten. Unser Shootingstar der letzten Saisons Jashe spielte gegen Martin Kruse. Eine Schwächung der schwarzen Bauernstellung wurde mit dem Verlust des Läuferpaars bezahlt – dynamischer Ausgleich, möchte man sagen.
Michael (unser) spielte mit schwarz gegen Dirk Martens. Schon bald erledigte sich eine auf positionellen Grundsätzen fußende Einschätzung – Michael hatte einen Läufer gewonnen, für den er nur einen Bauern hatte geben müssen. Stephan hatte kampflos gewonnen. Besten Dank an die Hademarscher, dass er nicht eine Stunde warten musste.
Ich spielte mit schwarz gegen Burkhard Lewke. Nicht unser erstes Aufeinandertreffen. Mein bisheriges Abschneiden gegen ihn ist eher als dürftig zu bezeichnen; seine unkonventionelle Art zu spielen ließ mich häufiger nebulöse Züge finden, die sich dann als wenig zielführend herausstellten. Heute spielte ich daher furztrocken und hatte bereits nach wenigen Zügen einen minimalen, aber spürbaren Vorteil. Sören spielte gegen Jan Honnens, der vor einiger Zeit auch für uns am Brett saß. Vorteil für weiß konnte ich nicht entdecken: hängende Bauern bei schwarz bei aktiver Figurenstellung.
Jochen spielte mit schwarz gegen Hendrik Niemöller. Dort wurde viel Theorie bemüht mit absolut üblichen Bauernzügen und Figurenmanövern. Ich hätte lieber Jochens Stellung gehabt, aber ob er wirklich besser stand, ist eine andere Sache. Sascha indes stand schon nach wenigen Zügen gegen Ernst Dithmer spürbar besser: ein schwarzer Isolani war schwach, obendrein hatte weiß die bessere Entwicklung und Angriffspotential gegen den schwarzen König, der sich genötigt sah, lang zu rochieren.
Das sah also ganz gut aus: wir lagen mit 1:0 in Führung mit Gewinnstellung bei Michael, klar besserer Stellung bei Sascha, besserer Stellung bei mir und keinem Brett, an dem die Hademarscher Vorteil hatten.
Im Folgenden konnte Sascha seinen Vorteil ausbauen: die schwarze Rochadestellung wurde arg zerrupft, auch wenn materiell nur ein Bauer fehlte. Ich manövrierte gut, nutzte dann einen Fehler Burkhards in schwieriger Stellung und mit sehr wenig Zeit nicht aus, spielte dann etwas oberflächlich und ließ die Stellung bald in Ausgleich münden. Allerdings war Zeitnot beim Gegner doch ein ernstes Thema. An Joches Brett wurde es deutlich schärfer. Am Königsflügel hatten sich Bauern jeweils tief in die gegnerische Rochadestellung eingegraben.
Jashe war mächtig am kneten und gewann einen Bauern bei allerdings schlechtem Läufer; Martins Standfestigkeit war durchaus beachtlich. Sören konnte einen wichtigen Tausch erzwingen, hatte aber zwischendurch seine Rochadestellung schwächen müssen. Michael hatte immer noch seinen deutlichen Materialvorteil, ohne dass so recht ersichtlich war, wie er den nutzen sollte. Jens kam im Zentrum zu einem sehr wichtigen Hebel, der die Waagschale zu seinen Gunsten kippen ließ.
Sascha erzwang dann den Sieg: nach diversen Tauschserien erwies sich ein freier Randbauer als entscheidend. Sehr stringent gespielt von ihm, dem Gegner keine Chance lassend. Leider verlor dann Jochen – die Details zum Ende hin sind mir entgangen, da ich selbst an meinem Brett beschäftigt war. Ich baute in materiell ausgeglichener Lage ordentlich Druck gegen seine Bauernstellung auf. Diverse Züge gingen nicht; als einer (Turmtausch) von denen kam, war es sofort vorbei: der wichtigste Bauer fiel. Bauernumwandlung wäre die sichere Folge gewesen. Burkhard gab sofort auf. 3:1
An Michaels Brett war immer noch keine Entscheidung gefallen; das ganze Brett voller Figuren – Tausch oder Angriff nicht in Sicht. Als dann Michael genau dies doch versuchte, kam ein böser Konter von Dirk. Der Turm auf der Randlinie deckte nicht nur die gesamte zweite Reihe, sondern unterstütze auch eine fiesen Läuferzug, der der schwarzen Dame die Luft nahm. Michael versuchte noch eine Art Festung zu bauen, aber es war vergebens. Der Punkt ging an Dirk. Nun gut, das war durchaus glücklich, aber man muss es auch erst schaffen, mit solch einem Nachteil (Figur weg nach vier Zügen) so lange Widerstand zu leisten. Respekt, mein Lieber! 3:2
Nun war es knapper und kniffliger als erwünscht geworden. Vor diesem Hintergrund war das Remis an Sörens Brett mit beiderseitiger knapper Zeit in ausgeglichener Stellung durchaus positiv zu werten. Und auch Jashe kam nicht zwingend durch. Im Doppelturmendspiel hatte er immer noch den einen Mehrbauern. Da sich dieser aber nicht verwerten ließ, wurde auch hier eine Punkteteilung notiert. 4:3
Alles hing an Jens, der sich einen gesunden Mehrbauern erarbeitet hatte und langsam aber sicher im Damenendspiel diesen Richtung gegnerischer Grundreihe bewegte. Als Michael Strebel kein Dauerschach mehr hatte und die Umwandlung unmittelbar bevorstand, gab er auf. 5:3
Es war ein verdienter Sieg der Mannschaft, aber Hademarschen hat sich sehr achtbar geschlagen. Nächster Gegner ist für uns ein anderer alter Rivale: Quickborn. Dass diese die ersten Punkte kampflos abgaben, sollte für uns keine Rolle spielen.