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Kategorie: Nachrichten
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Bereits im Vorwege kündigten sich düstere Wolken am Horizont an. Einige Ausfälle, die eigentlich durch Ersatzspieler hätten aufgefüllt werden müssen, allerdings sind auch in den Mannschaften 2-4 die Reihen stark gelichtet und die Spielerdecke dünn. Da es zumindest für die zweite und dritte Mannschaft noch um Fragen des Abstiegs geht, und wir die Vierte auch nicht völlig ausdünnen wollten, entschieden wir uns, erneut in Unterzahl anzutreten.

Zudem ging es mir am Samstag immer schlechter, so dass ich auch Sören unterrichtete, dass ich wahrscheinlich nicht würde spielen können. Nach sehr wenig Schlaf und reichlich entkräftet entschied ich dann aber am Sonntag morgen, doch mitzufahren und mein Glück zu versuchen. Nun, zu sechst gab es zuletzt einen sehr überraschenden Erfolg; warum sollte uns das nicht nochmals gelingen?

Unser Gegner war allerdings ein ordentliches Kaliber: Husum. Bereits das fünfte mal, dass wir die Klingen mit den sympathischen Nordfriesen kreuzen. Zumeist waren das sehr enge Ergebnisse, bei acht gegen acht wohlgemerkt. Cliff traf auf Holger Ohst, Sören auf Birger Boyens, Andreas auf Klaus Seeck, Sven auf Josef Kögel, ich auf Alexander Walther und Jochen auf Waldemar Link. Die Bretter drei und sieben ließen wir frei; immerhin beides weiß-Bretter für uns. An den verbliebenen sechs Brettern hatten wir somit vier mal schwarz. Wir hatten leichte DWZ-Vorteile an den meisten Brettern, besonders deutlich war es zu unseren Gunsten bei Sven.

Cliff bekam sogleich eine Überraschung: sein Gegner spielte wie er später einräumte, zum ersten mal überhaupt diese Eröffnung. Viel Theorie in einer scharfen Stellung. Die Chancen waren sicher in etwa ausgeglichen. Ähnlich war das an Sörens Brett. Er musste eine Weile mit dem König im Zentrum bleiben, öffnete aber Linien gegen den lang rochierten weißen König.

Andreas hatte sich sauber aufgebaut; sein Gegner hatte mehr Raum im Zentrum, Andreas stand aber am Damenflügel strategisch sehr gut und war im Begriff, sich die c-Linie zu schnappen. Sven ging recht offensiv zu Werke, Dame und Springer zielten auf den schwarzen König. Nach meiner Einschätzung ging es nur mit dem Zug f5 vorwärts.

Ich hatte mal wieder mit einem Damenbauernspiel zu tun, fianchettierte meinen Königsläufer und baute mich dann gründfeldindisch auf, wobei weiß allerdings auf c4 verzichtet hatte. Jochen Rochadestellung wurde hart angegriffen. Allerdings griff er beherzt zu, als sich die Gelegenheit zum Gegenangriff ergab. Das weiße Zentrum wurde völlig aufgerieben, da fiel auch schon ein Bauer.

Nach den ersten Rundgängen sah es also gut aus für uns. Cliff würde das Kind schon schaukeln, Sven stand sehr aktiv, ohne dass sein Gegner Gegenspiel hatte und Jochen stand bereits spürbar besser. Seinen Vorteil baute er zügig aus; bald standen keine weißen Bauern mehr im Zentrum, statt dessen schwarze Freibauern auf e3 und d4.

Ich musste umgruppieren, um etwas Spiel zu bekommen, stand dann aber okay. Auch mein Gegner führte Figuren auf den Ausgangspunkt zurück. Ich befragte seinen Springer im Zentrum und bot in ausgeglichener Stellung remis an. Mein Gegner nahm an. 2,5:0,5.

Sven kam zum erhofften f5, nach dem erzwungenen Schlagen eroberte er mit beiden Türmen die d-Linie und kam mit raschen Schlägen zum Erfolg im direkten Angriff auf den König. 2,5:1,5.

Andreas hatte eine Qualität gegeben, dafür allerdings einen weit vorgerückten Freibauern auf d3 erhalten, der zudem vom unvertreibbaren Springer gedeckt war. Hilft nix - da muss die Qualität zurück geopfert werden, und die weißen Türmen bemühten sich von d2 und e3 aus, dieses Unterfangen umzusetzen. Andreas hatte allerdings die offene f-Linie, drang dort entscheidend mit Turm (f1) und Dame (f4) ein. Die weiße Dame war auf Abwege am Damenflügel geraten und konnte nur noch zusehen, wie sich der Rest der Streitmacht in Luft auflöste. Andreas fuhr den Punkt sicher nach Haus, ganz fein heraus gespielt! 2,5:2,5.

Und von nun an schien ein Mannschaftssieg möglich, denn Jochen stand mittlerweile glasklar auf Gewinn; er hatte einen Bauern gegeben, dafür die Qualität gewonnen, den Bauern auf die vorletzte Reihe vorgetrieben und dort den weißen Läufer gebunden. Nach weiteren feinen Manövern bildete Jochen einen weiteren Freibauern, ohne auch nur den Hauch eines Gegenspiel zuzulassen. Sehr abgeklärt vorgetragen... 2,5:3,5.

Mittlerweile war klar, dass Cliff mit dem Rücken zur Wand stand. Noch nicht materiell im Nachteil, aber sein Gegner stand im Doppelturmendspiel begleitet von ungleichfarbigen Läufern überlegen im Zentrum hatte dort auch einen Freibauern, während die weißen Bauern strukturell gut standen, aber keine Gefahr darstellten. Bald waren alle Türme getauscht, Cliff hatte einen Bauern weniger.

An Sörens Brett brannte es lichterloh. Er hatte des Gegners Rochadestellung aufgerissen, musste allerdings mit ansehen, wie sich der Gegner der f-Linie bemächtigte, und das mit Ke8, Th8 und Ta7. Es wogte hin und her; Sören gewann ein Qualität, tauschte ein weiteres Turmpaar, musste dann allerdings den gesamten Bauernschutz vor seinem König abgeben, was zwingend zum Dauerschach führte. 3:4.

Man muss Cliffs Gegner hohen Respekt zollen, dass er trotz der ungleichfarbigen Läufer immer weiter gute Ideen hatte und Cliff unter Druck setzte. Bald wanderte ein zweiter Bauer in die Schachtel, und es roch nach einem Schwarzsieg. Völlig überraschend schlug Cliff einen anscheinend vergifteten Bauern, was dem Gegner eine neue Dame gab, die allerdings durch einen Läuferspieß wieder verschwand. Nun also falscher Randbauer gegen f-Bauer von Cliff... sein Gegner nahm nicht den Bauern, sondern eroberte mit dem König die Ecke, was jeden weiteren Widerstand sinnlos machte. Sehr stark gespielt vom Husumer! 4:4.

Unsere Aufstellung war goldrichtig, wie sich nun heraus stellte. Es war sogar ein Mannschaftssieg drin, aber wir haben auch schon an anderen Stellen Glück gehabt. Die Mannschaftsleistung war auf jeden Fall gut. Wir sind nun auf Platz drei zurück gefallen, aber als Drama ist das nicht einzustufen. Man darf gespannt sein, wie wir in die beiden letzten Runden gegen Eckernförde und Glückstadt auftreten und abschneiden.